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Über junge Verlorene und alte Hintern

To my friend L.G. Du und Ich - die letzten zwei alten Ä… . Und Punks. (at least in our minds 😉)





Ja! Ich bleib dran! War meine erste Reaktion. Entspricht halt auch ein klein bisschen meinem Naturell und geht mir deswegen sehr leicht von der Hand.


Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich in meinem nächsten Leben in die Ausbaustufe 1 gehe und dann zum Choleriker werde oder aber auf -1 zurückfahre und ein Zen-Buddhist. Zweiteres ist definitiv die größere Herausforderung für mich.


Stärken stärken. Würde mein Mann vermutlich sagen. Aber die Choleriker werden halt üblicherweise nicht besonders alt und ich häng schon sehr an meinem Leben. Auch an dem nächsten.


Wir, also die liebe L. und ich, haben dann noch weitersinniert über dieses und jenes und auch über die „Ich-kann-das-internationele-Zeichen-für-Kinderwägen-nicht-erkennen-und-stell-mich-da-jetzt-mal-auf-den-Parkplatz-weil-der-gerade-so-schön-frei-ist.


Ah herrlich. Ich merk sogar beim Schreiben, es geht schon wieder in Richtung +1. Ich nehm einfach gleich noch den Schwung von gestern Abend mit. Ein besonderer Abend, wie ich an dieser Stelle gerne unterstreichen möchte. Ich bin da nämlich in was reingerutscht, hat was mit Eltern und einem Verein zu tun. Und ich wusste von Anfang an: „Barbara, das ist nicht deine Stärke.“ Aber offenbar hat der liebe Gott befunden, dass es für mich wieder Sünden abzubüßen gäbe, oder so.

Und wo, frag ich euch, soll man denn sonst seine Energie verpritscheln?

Better out than in.

Et voilá.


Wo waren wir? Ach ja, bei den Antiparkern. Na wenn ich schon Wind aufgenommen habe, dann volle Fahrt voraus, oder?


Hände noch schnell warm gerieben. Aber jetzt…


Beginnen wir mal mit den Fakten.

Das mit dem Familienparkplatz ist ja so:

Es gibt sie, sie sind aber so ein Good-will-Ding.

Bedeutet: Das Unternehmen stellt sie freiwillig zur Verfügung, sie liegen auf einem Privatparkplatz und unterliegen damit nicht der Straßenverkehrsordnung. Es handelt sich also um ein zusätzliches freiwilliges Service des Unternehmens für Familien mit Babies oder Kleinkindern.

Sie sind immer in Nähe des Einganges zu finden, breiter als die üblichen Parkplätze und oft überdacht und zur besseren Erkennung mit dem Symbol eines Kinderwagens oder einer Familie mit Kinderwagen gekennzeichnet. Anders, als bei Parkplätzen für Menschen mit einer Behinderung unterliegen diese Parkplätze also keiner gesetzlichen Grundlage und können daher auch nicht von der Polizei geahndet werden.


Jetzt zur Interpretation dieser Fakten:

Der Parkplatz befindet sich in der Nähe der Eingänge, damit Nutzer eine kürzere Distanz zu diesem Eingang haben. Warum? Einerseits, damit sie nicht so weit zu schleppen haben (ich sag nur: 2 kleine Kinder, 1 Einkaufswagerl, 1 Maxikosi, diverse Körbe und Sackerl und vielleicht auch noch ein bissal Leergut) und zweitens, damit die kleinen Kinder schneller und näher und vor allem sicherer beim Auto sind und dann net wild über den ganzen Parkplatz wuseln müssen und unter Umständen übersehen werden.

Diese Parkplätze sind deswegen meistens überdacht, weil es einfach eine gewisse Zeit dauert, bis man den Kinderwagen herausgenommen, zusammengebaut, Kind aus- und wieder eingebaut hat und auch noch alle Einkäufe verstaut hat. Und wenn´s da schüttet, wird nicht nur die Mama nass.

Und drittens soll das Symbol der Kinderwägen darauf hinweisen, dass es sich bei den Parkenden um Menschen mit einem Kinderwagen, oder einem Maxikosi oder sehr kleinen Kindern handeln sollte.


Zur besseren Veranschaulichung und plastischen Darstellung (ich will mir ja nicht nachsagen lassen, ich hätte es nicht gut erklärt):

  1. Die Abbildung auf dem Parkplatz symbolisiert einen Kinderwagen und NICHT ein Einkaufswagerl mit leeren Bierkisten

  2. Manchmal ist selbiges Symbol – also der Kinderwagen – verziert mit zusätzlichen Männchen. Sind es mehrere (zumeist zwei große und zwei kleine), so symbolisieren diese eine Familie. Zugegeben – sehr klassisch (Mama, Papa und zwei Kinder), beinhaltet aber auch sämtliche andere Familienkonstellationen SOFERN es sich dabei um Menschen mit einem Baby oder Kleinstkind handelt. NICHT gemeint ist damit eine Partygesellschaft eines Polterers.

  3. Es gibt aber auch noch eine dritte Variante, und zwar das Symbol eines Kinderwagens mit dem Symbol einer schwangeren Frau. Zu erkennen an einem Strichmaxerl mit Kleid und einem sehr kugelig geformten Bauch. Auch hier möchte ich nochmal ergänzen: Es handelt sich NICHT um beleibte Menschen oder um Herren mit einem ausgewachsenen Bierbauch.

  4. Bei den Familienparkplätzen handelt es sich auch nicht um sogenannten „Behindertenparkplätze“. Diese befinden sich zwar in unmittelbarer Nähe, sind aber mit dem Symbol eines Rollstuhls gekennzeichnet. Deswegen ist dieser Parkplatz auch NICHT für Menschen gedacht, die leider den Behindertenausweis UND das Pickerl beim Auto UND den Menschen mit Behinderung daheim vergessen haben.

  5. Das Symbol des Kinderwagens repräsentiert auch NICHT ein Elektromobil, auch wenn man noch so bemüht ist, mit dem kleinen Fahrzeug das große Symbol zu verdecken (so gesehen gestern am hiesigen Supermarktparkplatz), wobei ich zugegebenermaßen bei immobilen älteren Herrschaften großes Verständnis zeigen würde.

  6. Ach ja und finally: AUCH eine Familie irgendwo auf diesem Planeten zu haben gilt in diesem Fall NICHT.

Ich hatte die letzten 6 Jahre immer wieder kleine Babies, oder war schwanger oder war schwanger UND hatte ein kleines Baby. Zu meiner Verteidigung: In dieser Zeit ist man halt auch auf einem sehr, sehr hohen Hormonlevel. Da helfen dann auch keine Energiebällchen. Ich hab´s ausprobiert. Und ich habe mich mit wochenendeinkaufsvollem Wagerl und einem Baby im Maxikosi und einem zweiten vorne sitzend im Einkaufswagerl und einem dritten an der Hand immer wieder gerne diesen Diskussionen hingegeben.

Und ich habe mir damals geschworen: Dem nächsten goschaten Antiparker reib ich die Windschutzscheibe mit Schlagobers ein.


And a cherry on the top.


Händereib-Ende.



Aber eigentlich sollte es in diesem Blog ja gar nicht um meine Freunde, die Antiparker gehen. Die sind mir da jetzt nur so reingerutscht. Wegen dem Wind warads gwesen.


Nein, eigentlich hatte meine liebe Freundin die Idee, ich könnte doch mal über diese Lost Generation schreiben. Und gemeint hat sie damit die zu Beginn erwähnten jugendlichen Zugfahrer. Also nicht alle jugendlichen Zugfahrer, sondern eher die, die bei der Zugfahrt ins Auge oder Ohr oder beides stechen. Ich beschreib sie mal so: Pubertär schwer auffällig, laut (stimmlich), manchmal auch laut duftend, laut und für die Öffentlichkeit zugänglich musikspielend, aber leise tippend, das dafür unentwegt. Immer in einem Konglomerat eines kleineren oder größeren Grüppchens auftretend, alle dasselbe machend. Die Gesprächsinhalte nicht immer sozial und/oder gesellschaftlich kompatibel mit dem Rest der zugfahrenden Gemeinschaft, oft ohnehin unverstanden, weil (noch) nicht im Duden verankernde Vokabel gebrauchend.


Ihr habt das Bild? Und oder den Duft? YEAHHHH


Wobei zu letzterem muss ich ergänzen: Hormonell bedingt duften wir Menschen in diesem Abschnitt unseres Seins einfach anders, das ist biologisch und evolutionstechnisch schon so vorgesehen. Denk ich. Also ich seh da schon ganz klare Parallelen zu einem brunftenden Hirschen. Irgendwie muss er sich bemerkbar machen.


Essen kannst ihn halt nicht.


Und ja, oft haben diese Menschen in der letzten Unterrichtseinheit auch Leibesübungen (geiles Wort noch aus meiner Jugend *achja*) Und zum Thema duschen: Jo. Eh. Aber ganz ehrlich: Wer von euch hat sich NACH dem Turnen und VOR dem Umziehen geduscht? Handtuch reicht doch vollkommen. Und einmal im Monat das Sportgewand waschen…. Wozu? Steht ja auch noch nicht von allein. Und riechen eh alle gleich.


Angenommen, ihr habt das Bild.

Und angenommen, ihr habt jetzt auch ein Bild von mir (damit die Geschichte von dem Familienparkplatz nicht ganz umsonst war).

Und angenommen, ein solches Individuum siehe oben trifft jetzt auf mich.


Manche nennen es Schicksal.


Andere Kismet.


Da passiert was im Kosmos. Sag ich euch.


UND: Ich habe gelernt! Jaaaa! Ich bin gerüstet, wenn ich mit den Öffis fahr. Ich hab meine Kopfhörer immer dabei, ich hab immer frisch gewaschene Kleidung an, nur damit ich daran schnofeln kann, um meine Nase abzulenken, wenn mich der Umgebungsduft zu sehr irritiert.

Ich bemüh mich wirklich. Ehrlich! Redlich. Aber manchmal, wenn der Kosmos dann eben nicht so mitspielt, wie ich es in der Situation bräuchte, dann kommts raus. Ich kann das gar nicht kontrollieren. Das formt sich ganz von alleine – beginnt ca. in der Bauchmitte – schwillt dann immer mehr an und wird dann so groß und lang, dass es vorne, im Mundbereich zwischen Zunge und Zähne raus muss. Und das, ohne in der Zwischenzeit mit dem Gehirn zu konferieren, ob das wirklich so gscheit is.


Einmal, zum Beispiel, da war ich noch auf der Uni, und ich saß in einem Seminar in einem großen Hörsaal (schon so um die 300 Leut, würd ich sagen). Das Thema war für mich irrsinnig kompliziert und ich musste mich ehrlich mega anstrengen, um dem Vortragenden nur irgendwie folgen zu können. Vor mir, zwei wunderhübsch dekorierte Studentinnen, die sich schon seit geraumer Zeit über ihr Outfit unterhielten und das in normaler Sprechlautstärke. Also nicht flüsternd, sondern mit Ton. Und ich hab gemerkt, wie es in der Bauchgegend so zum Quellen anfängt. Und meine beste Freundin neben mir hat´s auch schon gemerkt. Und beginnt dann schon so zu grinsen, wie sie mich beim Quellen beobachtet.

Und irgendwann dann gings einfach nicht mehr. Ich hab dann also in mein Geldbörserl gegriffen, beiden Damen einen Euro am Tisch hingeschoben und dann gemeint: “Du, wollts ihr vielleicht nicht rausgehen auf einen Kaffee? Ich lad euch ein.“ Die zwei haben mich verwundert angeschaut und ganz perplex abgelehnt. „Nein, auf einen Kaffee hätten sie jetzt eigentlich keine Lust.“

Worauf sich der Blubber durch meinen Mundraum ganz allein einen Weg nach draußen verschafft hat und sowas rauskam, wie: „Donn hoits endlich eichan Schlapfn. BITTE!“


Ein anderes Mal steh ich in Wien an einer U-Bahn Station und warte so vor mich hin. Es war Sommer, es war heiß, stickig, es hat gemüffelt, es war ein langer Tag, ich wollte einfach nur nach Hause. Neben mir, ein lostiger Generator, rauchend. In der U-Bahn Station. Das geht ja mal gar nicht. Nicht, weil er geraucht hat. Ich mag Raucher. Die meisten zumindest. Aber, er hat die Regeln nicht befolgt! Und DAS schafft mein inneres ICH nicht. Rauchen in der U-Bahn? Na oida! Dann hat er auch noch Musik gehört. Laut. Auf seinem Handy. Ohne Kopfhörer. Grundsätzlich liebe ich Musik und kann auch mit vielen Genres gut leben. Aber das entsprach nicht meinem bevorzugten Repertoire.

Ich hab auch noch kurz versucht, einfach auszuweichen. Einfach mich ans andere Ende der U-Bahn Station zu stellen. Und was macht er? Geht einfach in dieselbe Richtung und schmeißt dabei den Tschick-Stummel auf die Schienen. VERBOTEN!! GEHT GAR NICHT, schreit da mein Hirn und ist sich in dem Moment einig, dass der Bursch ja selbst schuld wäre, er hätte meinen Blubber halt schon herausgefordert und ist mir dann ja sogar noch nachgelaufen. Ich also stampfend auf den zu: „Du, schon mal dran gedacht, dass sich nicht jeder für deine Musik interessiert und vielleicht nicht alle mithören wollen?“ Der, schaut mich aus seinen verschlafenen Augen total entgeistert an. Ich noch pädagogisch wertvoll hinterher: „Weißt du, wie würds denn dir gehen, wenn jeder da seine Lieblingsmusik laut abspielt? Einfach so? Vielleicht magst dir mal Kopfhörer besorgen, ha?“.

Lernt man so im Konfliktseminar, erklären warum es einem geht und lösungsorientiert arbeiten.

Er, dreht sich nochmal – Gottesgnaden – zu mir um, und erwidert dann ganz eloquent:

„Geh scheißn, Oide.“


1:0 für den Generator.


Oder erinnert ihr euch an die Omi beim Spar? An der ich mich dann bei „Motiviert unmotiviert“ gerächt habe, indem ich sie im Blog verbraten hab?


HarrHarrHarr.


Einmal, es ist schon ein paar Jahre her, waren mein Mann und ich auf einer Reise quer durch Lateinamerika. Das war Pre-Kids-Life. Ich halte mich ja für durchaus abenteuerlustig, wenn´s ums Reisen geht. Aber MIT Kids in Lateinamerika wär sogar für mich ein Hauch zu viel Abenteuer.

Jedenfalls sind wir wieder mal in einem dieser Mini-Busse gesessen, zugelassen für 9 Leute (ohne Gepäck), befüllt mit gezählten 17 mit Gepäck, davon 2 am Dach (nicht das Gepäck, sondern die Fahrgäste) und einer bei offener Tür hängend. Auch nicht das Gepäck. Die Fahrt sehr lang, die Strecke sehr kurvenreich, mein Mann und ich die einzigen beiden Touristen in dem Bus. Im Radio hats tatsächlich „Live is life“ von Opus gespielt. In Guatemala. Vermutlich, um die Kotzgeräusche links und rechts von uns zu übertönen. Die Fahrgäste waren hauptsächlich Einheimische und kannten die Strecke. Dementsprechend gut ausgerüstet waren sie: Plastiksackerl auf, reinkotzen, Knoten zu, Fenster auf, Sackerl raus, Fenster zu. Fertig. Bei einer 5-stündigen Fahrt gewöhnt man sich irgendwann dran. Fand ich auch dann gar nicht mehr so irritierend.


Was mich vielmehr irritiert hat, war allerdings der junge Bursche schräg rechts vor mir, der, seit Beginn der Fahrt immer aufgezogen hat. Rotz runter, er rauf. Alle paar Sekunden wieder. Immer und immer wieder. 17 Leute in dem Bus – kein Problem. Kotztüten, die regelmäßig an einem vorbeigehievt werden, um dann schlussendlich aus dem Fenster zu verschwinden? Kein Problem. Kurvenreiche Strecke in einem Minibus, der vermutlich schon älter war als ich und mir nicht klar war, wie vertrauensvoll gualtemaltekische Pickerl-Überprüfungen sind und ob´s die überhaupt gibt? Kein Problem. Aber ein rotzender Jugendlicher, der sich nicht schnäuzen kann???

Mein Blubber zieht ein Taschentuch aus der Packung, legt es ihm nachdrücklich spürbar auf den linken Oberschenkel und drückt nochmal ein bisschen fester, damit er durch die Kopfhörer durch auch ganz sicher fühlen kann, was da gerade passiert. Er nimmt das Taschentuch, faltet es auseinander, hält es sich vors Gesicht, betrachtet es in seiner vollen Größe, faltet es wieder zusammen, steckts ein UND jetzt kommts: Zieht auf!


Zwickts mi.



Ob Antiparker, dekorierte Studentinnen, jugendliche U-Bahn Raucher, die grantige Omi beim Spar oder rotzende gualtematekische Teens – ich bin dann immer der alte Arsch. Manchmal auch der jüngere, je nachdem, wie alt das Gegenüber ist. Auf jeden Fall bin ich der Hintern, der den Mund aufmacht, sich beschwert um dann den „Krieg“ erst recht zu verlieren.


Ob ich nicht über die Lost Generation schreiben wollte, hat meine Freundin mir als Idee mitgegeben. Ob ich dann die alten Ärsche verbraten dürfte, hab ich sie dann gefragt. Nur, wenn sie dabei gut wegkämen, hat sie gemeint. Ich hab ihr dann versichert, dass in meinen Geschichten immer alle Protagonisten gut weg kämen.


Und somit komme ich heute zu der Lost Generation oder der Verlorenen Generation. Der Begriff ist eigentlich kein neuer. Erfunden hat ihn Gertrude Stein, die schon 1874 geboren wurde. Mit ihm bezeichnete sie ein Gruppe US amerikanischer Schriftsteller, u.a. Ernest Hemingway, die während des Ersten Weltkriegs volljährig wurden und damit am Weltkrieg teilnahmen. Sie meinte damit die jungen Leute, die Kriegsdienst geleistet haben und sich dabei bzw. danach mit den Katastrophen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen mussten.[1]


Wiederaufgetaucht ist dann der Begriff mit der Pandemie, als sich viele junge Menschen ob der düsteren Aussichten tatsächlich verloren fühlten und oft auch als verantwortungslose unsolidarische Party-People medial verbraten worden sind.


Mittlerweile, so zumindest meine Wahrnehmung, verwendet man diese Bezeichnung für Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht so recht wissen, wohin die Reise gehen soll, die sich vielleicht auch ein bisschen treiben lassen, die eben laut auffällig im Zug am Handy spielend ohrenbetäubend laute gesellschaftlich unkonventionelle Gespräche führen oder vielleicht sogar aufmüpfig herumpöbeln, die irgendwie lost sind und irgendwie lost wirken.


Dem gegenüber stehen wir alte Hintern, irgendwo zwischen Generation X und Z und fragen uns, was denn mit dieser Jugend bitte heutzutage los ist?!

„Die Jugend hat kein Ideal, kan Sinn für wohre Werte Den jungen Leuten geht's zu gut, sie kennen keine Härte“

Wolfgang Ambros - 1975


Was mich zu der naheliegenden Conclusio bringt: Das Problem ist kein Neues.

Go figure, Sherlock.

Ich würde es in dem Fall relativ formlos zusammenfassen unter dem Deckmantel Generationenkonflikt.


Was ist das?

„Als Generationenkonflikt bezeichnet man entweder eine Konfliktsituation in der Jugend mit der eigenen Elterngeneration oder, allgemeiner betrachtet, die Auseinandersetzung zwischen zwei verschiedenen Generationen, die häufig von Vorurteilen gegenüber der anderen Generation geprägt ist.“[2]


Übersetzt bedeutet das nichts anderes, als:


Wir alte Hintern VERSUS die jungen Verlorenen.

Ein Konflikt, den es vermutlich schon gibt, seitdem es die Menschheit gibt. Jetzt könnte man sich natürlich fragen, warum es denn diesen Konflikt noch immer geben muss und wir seit Tausenden von Jahren nicht daraus gelernt und den ein für alle Mal gelöst haben?


Ganz einfach: Das Motiv ist vermutlich immer dasselbe. Aber das Surrounding verändert sich. Und genau um dieses Surrounding, dieses Drumherum, geht es. Jede Generation durchlebt die gleichen Stadien (Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener, Erwachsener, älterer Erwachsener, Senior), aber die Umwelt, in der sie aufwächst, ist immer eine neue. Und diese Umwelt bringt neue Technologien, neue Trends, neue Glaubensweisen, neue erforschte Gebiete, neues Wissen, neue Werte.

Und wenn man dann diese zwei Umwelten quasi wie zwei Bilder übereinanderlegt, dann gibt es eben Übereinstimmungen, aber auch Differenzen. Die Differenzen sind aber mit dem natürlichen Auge oft nicht einmal erkennbar. Vor allem, wenn es um das Thema Werte geht, kommt die Crux ins Spiel.

Jeder von uns lebt nach ganz bestimmten Werten, aber genauer benennen können wir sie in den seltensten Fällen. Oft passieren sie unterbewusst, oft ist uns nicht einmal klar, dass wir nach ihnen leben, oft haben wir uns mit dem Thema einfach nie tiefer auseinandergesetzt.


Was auch noch dazu kommt, ist, dass sich ja jede Generation auch irgendwie über eine eigene Sprache definiert. Und was uns bekanntlich trennt, ist die gemeinsame Sprache. Das es da auch oft „Misskommunikation“ gibt, liegt quasi schon auf der Hand.


Und zu guter Letzt hat es, ob wir Alten das hören wollen, oder nicht, auch bestimmt immer etwas mit Loslassen und Abnabeln zu tun. Und ich fürchte, da muss es sich manchmal einfach auch reiben, damit es wegkann.


Wenn ich es mir aussuchen kann, bin ich gerne Optimist. Schon alleine wegen meines eigenen Seelenfriedens wegen. Ich glaube nicht, dass diese Generation lost oder verloren ist.

Ganz im Gegenteil.

Ich glaube, dass sie sich wieder neu definieren, neu suchen muss. Und wie das halt beim Suchen so ist, da gibt es kein direktes Ziel. Da schwirrt man immer mal dort und mal da hin. Schaut an verschiedene Plätze, probiert was aus, findet es nicht, probiert was anderes aus, sucht sich einen neuen Weg. So lange, bis man eben gefunden hat, wonach man sucht. Und dann ist man plötzlich angekommen. Einfach so.


Bekanntlich findet man die Dinge am ehesten, wenn man genau hinsieht. Und das lohnt sich bei dieser Generation ganz besonders. Hunde die bellen, beißen ja bekanntlich nicht. Und meine Erfahrung ist, die lautesten Rüpel sind, wenn man die Möglichkeit hat, sie alleine zu treffen, sie ein bisschen besser kennen zu lernen, einen kurzen kleinen Blick hinter die Fassade zu werfen, die größten Knuffis. Und wenn man nicht nur genau hinsehen, sondern auch hören kann, sagen sie oft die schönsten und schlausten Dinge.


Und wenn wir einen kurzen Moment loslassen können, und ihnen die Möglichkeit geben, nicht nur von uns alten Hintern zu lernen, sondern ihnen tatsächlich auf Augenhöhe begegnen und ihnen vermitteln, dass wir gerne auch von ihnen lernen wollen, dann kann etwas ganz Großartiges entstehen.


Das gilt, denk ich auch, zwischen Eltern und Kindern. Und wenn´s mal so stark reibt, dass es brennt, dann spricht ja auch nichts dagegen, sich externe Unterstützung zu holen. Auch DAS ist ein „sich auf Augenhöhe begegnen“.


Gut.

Und Trotteln gibt’s immer.

Muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden.

Aber dafür hat der liebe Gott ja das Schlagobers erfunden.


Sagt der alte Hintern: Ich freu mich auf diese Generation. 

Und bis auf die paar Trotteln sind auch in dieser Geschichte wieder alle gut davon gekommen.


In diesem Sinne,

Augen auf, Ohren auf, Hintern ist da.


Alles Liebe,

Eure Barbara





[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Lost_Generation, Stand 25.10.23 [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Generationenkonflikt - Stand 25.10.2023

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