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Wenn Eltern mit Kindern lernen

Es ist Samstagabend.


Und die Dinge stehen schlecht.


Während sich alle anderen bereits vergnügen, auf den Tischen tanzen, singen, abshaken, vorglühen – oder sich Corona-konform mit 2m Sicherheitsabstand im Freien bei Minusgraden nur digital zuprosten, sitzt du daheim an deinem Schreibtisch und paukst. Am Montag ist Schularbeit. Der Kopf raucht, das Zimmer mieft, von den Mannerschnitten sind nur noch ein paar Bröserl und das Silberpapierl übriggeblieben, der dritte Kuli gibt schon seinen Geist auf.


Du fluchst. Leise. Laut traust du dich nicht.


Kurz vor Ferienbeginn wollen´s viele Lehrer einfach nochmal wissen. Es ist Prüfungszeit, Lernzeit, heiße Phase.


Für den Papa.

Oder die Mama.


Also eigentlich für die Tochter oder den Sohn. Aber einer von euch, du, oder deine Partnerin / dein Partner muss auf jeden Fall herhalten und den Discoabend opfern.


Jetzt könnte man sagen – mit +/- 40 shaked man eh nicht mehr sooo gut. Vorglühen ist über die Jahre zur Prime-Time geworden. Vor nicht allzu langer Zeit war vor Mitternacht Weggehen noch ein absolutes NOOOOOO WAAAAYYY. Mittlerweile dauert die Regenerationszeit dieser Nach-Mitternächtlicher-Eskapaden mindestens 3x so lange, wie die Eskapade selbst. Also kann man´s auch gleich gut sein lassen.


Und außerdem ist so ein bisschen „Quality Time“ mit den Kindern doch was Feines.


Wenn da nicht diese Stimmung wäre…


Ihr sitzt nämlich schon eine ganze Weile. Und diese Weile fühlt sich schon verdammt lange an. Ihr seid bei Beispiel 1 von 17 und das schon seit einer geschlagenen Stunde. Dein Kind stemmt beide Ellenbogen auf den Tisch, formt mit seinen Händen eine kleine Mulde, um dort – ergonomisch angepasst - seinen Kopf abzulegen. Dabei hängen die Lippen schon so verdächtig schief nach unten, dass man befürchten muss, dass jederzeit zähflüssiges Material auslaufen könnte. Die Augen sind auf Halbmast und du hast den üblen Verdacht, dass sich dein Kind jetzt jeden Moment ins Träumeland begibt.

Zu allem Überfluss vermutest du, dass „Phhhhh“ zum neuen Unwort des Jahres wird, so oft hast du es in den letzten 60 Minuten hören müssen.


Die Stimmung beginnt so leise zu köcheln. Und das liegt leider nicht am genialen DJ.

Der Dialog, den ihr führt, bewegt sich in einer Endlosschleife. Du fühlst dich wie die Schallplatte, bei der die Nadel hängen geblieben ist: „Komm, bitte, konzentrier dich nochmal.“


An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir Eltern uns diesen Satz – und den damit verbundenen Kummer – eigentlich auch gleich ersparen können. Ich weiß ja nicht, wie es euch damit geht, ich für meinen Teil kann mich in meiner ganzen Lernlaufzeit nicht einmal daran erinnern, dass auch nur ein einziges Kind jemals auf diese Aussage hinauf aufgesprungen wäre, sich ausgeschüttelt hätte, gerade hingesetzt hat und dann meinte: „OK, gut Idee. Danke dafür. Guter Tipp! Jetzt konzentrier ich mich.“


Nein, kurioserweise führt dieser Satz meistens eher dazu, dass besagtes Kind noch mehr in sich zusammensackt, der linke Arm jetzt ausgestreckt auf den Tisch gelegt wird, das Kind dann seinen Kopf anstatt in der Mulde darauf ablegt und der Sabber jetzt erst recht zu Laufen beginnt.


Du hast schon alle dir bekannten und möglichen Register gezogen, um deinem Kind die Thematik zu erklären, ja sogar die berühmten Äpfel und Birnen haben schon herhalten müssen, und das nicht nur bildlich gesprochen. Nein, du hast sie quasi in alle möglichen Aggregatzustände verwandelt, nur um deinem Kind zu demonstrieren, wie dass den da jetzt funktioniert.


Es läutet an der Tür, dein Nachbar steht davor. Dein Kind springt natürlich mit auf (JETZT ist die Energie da), denn jede Ablenkung ist naturgemäß herzlichst willkommen. Dein Nachbar fragt, ob du zufällig noch ein Packerl Popcorn-Mais hättest, es wäre für den Kinoabend, den er gemeinsam mit seinen Kindern machen wollte. Dein Kind schnauft, ist sichtlich entsetzt: „Ich will auch!“ Du erklärst deinem Nachbarn eure Misere, dein Kind ihm das Beispiel, an dem ihr schon so lange hängt. Dein Nachbar sagt dann sowas, wie: „Ja, das ist ja ganz einfach. Dafür musst du nur….“


Und irgendwo zwischen Türglocke und Popcorn-Mais muss jetzt ein Wunder stattgefunden haben, denn – ACHTUNG – jetzt kommt´s, dein Kind sagt plötzlich: „Ach soooooooooooo geht das! Na das is ja voll leicht!“


Dir fällt die sprichwörtliche Lade hinunter – und der Popcorn-Mais hat sich auch den physikalischen Kräften hingeben müssen. Du bist sprachlos, quasi entsetzt und als du dann endlich deine Stimme wiederfindest, kommt sowas wie: „Aber das versuch ich dir ja schon seit einer Stunde zu erklären!“


Dein Kind, nicht so entsetzt wie du, zuckt nur einmal flach mit den Schultern und meint dann ganz trocken: „Können wir jetzt auch einen Kinoabend machen? Biiiiittteeee!“


Mit den eigenen Kindern (oder Eltern) zu lernen kann manchmal richtig frustrierend werden. Frei nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ gilt das meistens eh für beide – Eltern und Kinder.


Aus unterschiedlichen Gründen: Sei es, weil man das Gefühl hat, dass, egal, was man versucht, nichts wirklich fruchtet. Sei es, weil man die Materie selbst nicht so gut versteht oder man sich selbst (laut oder leise) oft fragt, wozu man das denn überhaupt lernen muss. Ich für meinen Teil streb(t)e mich zeitlebens dagegen an, auszurechnen, mit wieviel Zeitunterschied zwei Züge ankommen, die zur selben Zeit, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten parallel von A nach B fahren.


Ganz ehrlich: Wie viele Züge gibt es, die gleichzeitig auf zwei parallel laufenden Gleisen zur selben Zeit abfahren, dasselbe Ziel haben und nur unterschiedlich schnell unterwegs sind?? Null. Zero. Null. Niente. Habe fertig. Danke, nächstes Beispiel bitte.


Oder als ich an der Wirtschaftsuni im EDV Kolloquium lernen musste, was TCP/IP Pakete sind. GESUNDHEIT. Aber meine Antwort war gar nicht soooo falsch: Irgendwas mit Computer.


Ein menschliches Gehirn hat nun mal enden wollende Kapazitäten. Da kann man nicht einfach inhaltlich ungefiltert unendlich viele Informationen reinstopfen. Das geht halt nicht.

Wie du vielleicht gerade merkst: Über dieses Thema kann ich mich sehr lange unterhalten. Seeehr lange. Und ausgezeichnet in Rage reden. Und darüber, warum sich vorrangig Sportwagenzweisitzerbesitzer auf den Familienparkplatz vorm Supermarkt stellen müssen. Kann ich mich auch sehr lange darüber unterhalten. Seeeehhhhr lange. Vor allem mit dem Sportwagenzweisitzerbesitzer. Mein Freund.


Anyway. Wo waren wir?


Ach ja. Warum das Lernen zwischen Eltern und Kindern manchmal nicht so gut funktioniert.


Die Klassiker kennt ihr vermutlich:

- Die Kinder finden, dass die Eltern nicht gut erklären

- Die Eltern finden, dass die Kinder einfach nicht gut zuhören

- Die Kinder finden, dass die Eltern dauernd mit Lernen nerven

- Die Eltern finden, dass die Kinder ihre Aufgaben nicht ordnungsgemäß erledigen, wenn sie nicht ständig dahinter sind

- Beide eh schon alles probiert haben, und mit ihre(n) Latein(en) am Ende sind

- Die Eltern einfach nur nerven

- Die Kinder einfach nur bockig sind

- Die Eltern finden, dass das Kind jetzt unbedingt Unterstützung von außen braucht

- Die Kinder überhaupt nicht einsehen, warum die Eltern da jetzt so ein Drama machen

- Die Eltern frustriert sind

- Die Kinder frustriert sind


Manchmal ist es aber auch so, dass die Zusammenarbeit eigentlich sehr gut funktioniert, aber den Eltern einfach die Ideen fehlen, wie man das Lernen angehen müsste, damit es auch richtig gut funktioniert.


Sie sind quasi auf der Suche nach: Lernspaß statt Lernschaß.

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Hey, ich fand ihn gut.


Und nein, ich bin nicht „THE BRAIN“ hinter den FPÖ Wahlplakaten. Aber mal ganz ehrlich, 50 Shades of Grey ist auch nicht so berühmt geworden, weil es jede heikle Situation blumig umschrieben hat…


Tsaaa


Also angenommen, es ergibt sich folgende Situation: Du lernst mit deinem Kind. Seit gefühlten Stunden. Ihr beschäftigt euch seitdem mit ein- und demselben Beispiel und du weißt, es folgen noch irre viele. Und wie du es auch schon gedreht und gewendet, beschrieben, gezeichnet, gedacht, gemalt, getanzt oder pantomimisch dargestellt hast – es ändert nichts daran, dass dein Kind das Ding nicht versteht. Oi. Doppelte Verneinung. Also nochmal: Dein Kind versteht es nicht, egal was du versuchst.


Du bemühst dich wirklich. Redlichst. Und tust das, was man allgemein für angepasst akzeptabel im Umgang mit Kindern hält und sagst dann sowas wie: „Na komm. Versuch´s nochmal! So wie ich´s dir gezeigt hab.“ RATIO


Du denkst: „Aaaaaaaalteeeeer, wie gibt’s das? Wie lang sollen wir jetzt noch mit diesem Beispiel herum sch….pielen? Das gibt’s ja nicht!! Jetzt hab ich´s eh schon fünfmal erklärt. Wieso geht das nicht rein? Und das is ja noch das leichtere von den Beispielen. Ahhhhhh! Wenn der wüsste, was da noch auf ihn zukommt. Da werden wir ja nie fertig. Und ich wollt mich unbedingt noch auf die Couch flötzen und den Film von gestern anschauen. Das kann ich mir jetzt einmargerieren. Es ist Samstagabend – und ich lerne?!? Und die Mannerschnitten hat er auch schon alle aufgefuttert.“ EMOTIO


Dein Kind bemüht sich wirklich. Redlichst. Und tut das, was man allgemein für angepasst akzeptabel im Umgang mit Eltern hält und sagst dann sowas wie: „Pffff.“RATIO


Dein Kind denkt: „Aaaaaaaalteeeeer, wie gibt’s das? Wie lang sollen wir jetzt noch mit diesem Beispiel herum sch….pielen? Das gibt’s ja nicht!! Jetzt hab ich ihm eh schon fünfmal gesagt, dass ich das nicht versteh. Wieso geht das nicht rein? Und das is ja noch das leichtere von den Beispielen. Ahhhhhh! Wenn der wüsste, dass ich noch einen zweiten Zettel mit Fragen im Rucksack hab. Da werden wir ja nie fertig. Und ich wollt mich unbedingt noch auf die Couch flötzen und den Film von gestern anschauen. Das kann ich mir jetzt einmargerieren. Es ist Samstagabend – und ich lerne?!? Und die Mannerschnitten hat er auch schon alle aufgefuttert.“ EMOTIO


So.


An dieser Stelle muss ich wieder einmal einen ultimativen, professionellen, fachlichen, exzeptionellen Meistertipp loswerden: Nehmt euch jeder noch ein Packerl Mannerschnitten, flötzt euch auf die Couch, schaut euch den Film von gestern an. Ach - und bitte nicht bröseln! Nicht mit den Mannerschnitten und nicht miteinander.


Weil – wenn man mal soweit ist, kommt eh nix mehr raus. Brauch ich euch wahrscheinlich nicht sagen, kennt ihr vermutlich eh selber.


Aber wie dann?


Ich hab´ da wieder mal recherchiert.

Googelt man die Begriffe: „Eltern – lernen – Kinder“ findet man, wenig überraschend, zig Ratgeber und Tipps, wie Eltern MIT ihren Kindern lernen können. „10 Tipps für Eltern“ und dann „Top 10 Eltern Tipps“ und dann noch: „Ihr schafft das allein! So helfen Eltern ihren Kindern beim Lernen“. Unter den zig Ratgebern habe ich allerdings nur einen einzigen gesehen, der sich damit beschäftigt, wie Eltern VON ihren Kindern lernen können.


Und da meine ich jetzt nicht auf philosophischer Ebene, nein, ich meine tatsächliche die physikalische. Sozusagen.


Was ich damit sagen möchte, ist, dass man als Elternteil weniger daran arbeitet, den Kindern etwas zu lehren, sondern den Fokus darauf legt, von den Kindern etwas zu lernen und so den Kindern das Lernen zu lernen.


Eigentlich recht simpel, aber doch ein Paradigmenwechsel.


Man neigt nämlich als Elternteil gerne dazu, den Kindern immer alles zu erklären und ihnen zu zeigen, wie es geht, weil man sie ja unterstützen möchte und weil man ihnen ja helfen will. Oder manchmal übernimmt man einfach gleich die Aufgaben von den Kindern, weil es schneller geht und viel Kummer erspart.


Manchmal sinnvoll, sonst würde ich für meinen Teil heute noch in der Volksschule sitzen und an dem blauen Schal stricken.


Manchmal wäre es aber tatsächlich sinnvoller, den Spieß umzudrehen: Also anstatt dem Kind zu erklären, wie eine bestimmte Aufgabe zu lösen ist, lasse ich mir von dem Kind erklären, wie es die Aufgabe lösen würde UND was es braucht (was ihm fehlt), um sie lösen zu können.

Da hilft es dann – zum Beispiel – zu wissen, was für ein Lerntyp dein Kind ist. Was es braucht, damit es verstehen kann. Wie es Dinge begreift. Wie es an Problemstellungen herangeht. Wie es Aufgaben löst, bei Themen, die es faszinierend findet und was den Unterschied macht zu Themen, die es – gelinde gesprochen – vielleicht nicht ganz so faszinierend findet. Und wie du ihm beim Lernen am besten und effektivsten helfen kannst.


Deswegen habe ich mir wieder mal was in meinem Kopf ausgedacht. Ganz alleine. Und ganz genial. Und ganz neu natürlich!!


Wartet…


Wartet…


J E T Z T :

Es gibt jetzt bei mir – neben der Lernberatung für Kinder – auch (Lern)-Coaching für Eltern:

Wo DU und ICH gemeinsam herausfinden, wie wir DEINEM Kind das Lernen erleichtern können.


Wie genial ist das denn?


Dachte ich mir auch.


Du willst mehr dazu erfahren? Dann drück mal da drauf: LERNCOACHING FÜR ELTERN


YEAH YEAH YEAH


Ich find´s großartig. Und hol mir jetzt ein Packerl Mannerschnitten.


Ich freu mich auf euch.


Alles Liebe,

eure Barbara

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