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Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung.

Über Diagnosen und andere Übel. Und darüber, was Kindern mit Lernschwierigkeiten wirklich hilft.



Da bin ich wieder.


Dieses Mal mit einem aaaabsoooluuutem burning topic!


Hot


HotTER


Am HotTESTEN


Sag ich nur.


Denn es geht heute ummm dieeeeee Diaaaagnoooostiiiiik! Whoohooo!

.

.

.

Ich kann eure einschlafenden Gesichter spüren.


Kann ich wirklich…


Aber – wenn ihr mir noch eine Chance gebt (meine älteste Tochter würde euch an dieser Stelle mit ernster Miene an folgendes erinnern: „Jeder kriegt immer eine Chance! MHMMM!“), dann werde ich euch zeigen, dass euch das Thema auch unter den Nägeln brennt.


Believe me!


*Please beliiiieevee in meee, ´cause what I need is for you to believe in me*

Danke Lenny K. für diesen wertvollen sidestep.


Wenn ihr den Ohrwurm dann wieder losgeworden und euch voll und ganz auf diesen wunderbaren Blog konzentrieren könnt(et)…


Zurück zum Thema: Diagnose.


Die, „die mich schon öfter gelesen haben“, wissen, ich hab´s gern definiert. Einerseits bin ich ein Fan von wissenschaftlich fundiertem Arbeitsmaterial (mal Hausverstand), andererseits klingt es immer so schlau, wenn man Definitionen bringt. Vor allem dann, wenn der Begriff vielleicht sogar noch einen griechischen oder lateinischen Wortstamm hat, wie zum Beispiel in diesem Fall:


Diagnose (diagnosis, griech. = Erkenntnis, Urteil)


Is gut, oder?


Find ich auch.


In meiner Diplomarbeit habe ich locker 30 Seiten nur einmal den verschiedensten Definitionen gewidmet, um dann schriftlich zu der Erkenntnis zu kommen, dass es halt keine einheitliche Definition gibt und es vielmehr sehr kontroverse Meinungen zu der Begrifflichkeit gäbe, die dann, je nach Thema und Fachgebiet unterschiedlich eingesetzt werden müssten.

Geil, oder?

Irgendwie muss man ja auf 180 Seiten kommen. Und nur schlaue Sachen schreiben is halt auch anstrengend.


Jedenfalls sagt ein deutsches Glossar über die Definition zum Begriff der Diagnose folgendes:


„Mit dem Begriff Diagnose (diagnosis, griech. = Erkenntnis, Urteil) ist das Feststellen und Benennen einer Erkrankung gemeint. Die Diagnose sollte unter anderem anhand der Vorgeschichte, der vorhandenen Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse gestellt werden.“[1]


Und zur Diagnostik:


„Unter der Diagnostik versteht man die Gesamtheit aller Maßnahmen, die zur Erkennung (Diagnose) einer Krankheit führen. Die Diagnostik umfasst Verfahren wie die Anamnese, die körperliche und die weiterleitenden apparativen Untersuchungen sowie Analysen von Körpergeweben und Ausscheidungen.“[2]


Und: Es gibt verschiedene Arten von Diagnosen[3]. Da gibt es zum einen die


Ausschlussdiagnose.

Kennen wir – der Klassiker aus der Millionenshow. Bedeutet: Man hat keine Ahnung was es ist, aber – oft rein aus dem Bauchgefühl heraus – kann man bestimmte Dinge ausschließen. Was über bleibt, ist dann die hoffentlich richtige Antwort.


Oder ein 50:50 Joker.


Dann gibt es die Verdachts- und Arbeitsdiagnose.

Bedeutet im Grunde dasselbe: Man hat keine Ahnung. Sie unterscheidet sich im Wesentlichen von der Ausschlussdiagnose insofern, als dass man hier zumindest versucht, beim Keine-Ahnung-Haben schlau auszusehen. Und, man muss die Sätze einleiten mit den Worten: „Ja, also, es sieht so aus, als…“ oder „Alles weist darauf hin, dass…“ endet aber jedenfalls immer mit: „ABER, um ganz sicher zu gehen, müssen wir…“ und dann wird´s entweder schmerzhaft, oder teuer. Im worst case beides.


Dann gibt es noch die Selbstdiagnose.

Quasi das Herzstück dieses Artikels. Bei der Selbstdiagnose „[…(auch: Eigendiagnose)] handelt es sich um […die medizinische und in der Regel laienhafte Beurteilung von Beschwerden und Symptomen, die eine Person mithilfe von Fachliteratur, Internet (Dr. Google) und anderen Quellen oder Hilfsmitteln an sich selbst vornimmt.]“[4]


Das mit Dr. Google steht im Übrigen tatsächlich so in der Definition drin.


Des Weiteren gibt es noch die Differentialdiagnose.

Die braucht man dann, wenn man sich ganz sicher, aber nicht ganz sicher ist. Also, wenn man sich zum Beispiel ganz sicher ist, dass es sich um einen Apfel handelt – aber – es unter Umständen auch eine Waschmaschine sein könnte. Das heißt, wenn es kein Apfel ist, dann ist es (vermutlich) eine Waschmaschine.


Und dann gibt es auch noch die Diagnose ex juvantibus.

Die fällt in die Kategorie: In-die-Büsche-schießen-und-schauen-was-raus-kommt. Weil, ex juvantibus bedeutet: Man hat, wie auch bei allen anderen Diagnose-Begriffen, wieder mal keine Ahnung, was es ist. Man versucht aber jedenfalls mal was aus. Wenn es dann tatsächlich geholfen hat, ist das (vermutlich) die Bestätigung dafür, dass es das gewesen sein könnte. Wer jetzt gut aufgepasst hat: Da sind verdammt viele Konjunktive im Spiel und es funktioniert nur ex post. Also eher A….


Zuletzt – und das kennen vermutlich wieder alle, gibt es noch die Fehldiagnose.

Bedeutet, dass man in so einem Fall mit Sicherheit sagen kann, dass es das nicht war. Funktioniert leider auch immer nur ex post. Also auch eher … blöd*.


*Ich sollte wirklich versuchen, mich wieder etwas gewählter auszudrücken, nachdem meine 3-jährige Tochter gestern beim fehlgeschlagenen Versuch, sie anzuziehen, ihre Strumpfhose „Scheiß-Klumpat“ genannt hat.

Wobei…

…ein bissal stolz war ich schon. So „akzentfrei“ und schön hat sie das noch nie zusammengebracht.

Und ich finde, man muss nicht zu jedem Arsch Popo sagen.


Zurück zum Thema.


Worum es mir heute geht, ist die Selbstdiagnose.

Also eigentlich weniger die Selbstdiagnose im Sinne der Eigendiagnose, sondern die eigene Diagnose im Sinne der … Fremd…diagnose. Das heißt die Selbstdiagnose, die eigentlich die anderen (und niemals sich selbst) betrifft, gleichzeitig aber alle Charakterzüge einer Selbstdiagnose aufweist, wie: Die laienhafte Beurteilung von Beschwerden und Symptomen, die eine Person mithilfe (meist aber eher durch gezieltes Weglassen von) Fachliteratur, Internet (Dr. Google), Selbsterfahrung, eigenen Beobachtungen, autodidaktischen Kellerschulungen, Fachartikeln aus diversen Gratistageszeitungen und anderen Quellen oder Hilfsmitteln an anderen vornimmt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass diese Art der Diagnose niemals bei sich selbst, jedenfalls und AUSSCHLIESSLICH bei anderen Personen durchgeführt wird.


Ihr kennt das sicher alle, oder?


Bitte kennt das alle und lasst mich damit jetzt nicht allein.


Angenommen…

…irgendetwas entspricht nicht ganz der Norm oder weicht kurzzeitig davon ab, und die Tante Hilda[5] von links hinten bekommt das mit und ohne, dass du sie dazu jemals ge- oder befragt hättest, bäumt sie sich ganz selbstverständlich vor dir auf, wirft quasi einen Schatten, strotzt nur so vor Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung, hat aber gleichzeitig keine Ahnung von dem Thema, weil zB beruflich ganz woanders daheim oder inhaltlich noch nie damit zu tun gehabt und sagt dann sowas wie: „Also DAS würd´ ich mir anschauen lassen. Das schaut net gut aus. Der Werner[6], weißt eh, der Mann von der Traudl[7], der hat nämlich…“


Und du weißt, dass die Hilda Tant´ keine Ahnung davon hat. Und eigentlich ist dir die Meinung von der Hilda im besten Fall auch immer wurscht. Und trotzdem, in dem Moment, wo sie das sagt, merkst du, dass dich ihr Kommentar aufregt, weil sie dir Ratschläge zu einem Thema gibt, in dem sie mit Sicherheit kein Fachexperte ist. Und du fängst dann an, dein Thema zu verteidigen und dein Wissen dazu einzubringen und zu erklären, dass du das anders siehst und bringst alle möglichen Argumente, die dir dazu einfallen und der Meinung der Hilda widersprechen.


Und wie du dann deine Argumentation fundiert abgeschlossen hast und der Meinung bist, dass sie´s jetzt eigentlich auch so verstehen müsste, wie DU, sagt sie dann ganz schnippisch und persönlich betreten: „Ich hab´ ja nur gemeint. Vielleicht ist es eh nicht so. ABER der Weeerneeer….!“


[5] An alle Hildas die das jetzt lesen: Sorry, dass eure wunderbaren Namen herhalten mussten. Sie waren diejenigen, die nicht in meinem Freundes- und Bekanntenkreis vergeben sind. Glaube ich. Hoffe ich. Auf jeden Fall handelt es sich hier im Zweifelsfall um einen Kollateralschaden. [6] An alle Werners: siehe Hildas [7] An alle Traudls: siehe Werners


Die Hilda ist weg. Du bebst. Du bist dir noch immer völlig klar darüber, dass sie keine Ahnung vom Thema hat und


TROTZDEM


beginnst


du


jetzt


zu


grübeln


und merkst, dass du immer mehr verunsicherst und nervös wirst und überlegst, ob du das vielleicht nicht doch abklären lassen solltest, weil nicht, dass das dann so ist, wie beim Werner…


Klingelts da bei euch? Bei zumindest dem einen oder dem anderen?


Bei mir klingelts eigentlich gar nicht. Bei mir machts: Aaarrrrrghhhhhhhhhhhhhh. HRMPF.


Und es dampft. Ganz laut dampft es.


Wenn wir eh schon beim Diagnostizieren sind - ich mach das jetzt ganz barfüßig:

In der Fachsprache nennt man das Logorrhö.


(„Als Logorrhö bezeichnet man den krankhaft gesteigerten Drang zur Sprachäußerung, häufig durch Mangel an Selbstkontrolle bedingt.“ [...])[8]


Sprachlicher Durchfall sozusagen.


Do wirst deppat.


Anders kann ich´s gar nicht beschreiben.


Ich könnt´s aber noch versuchen herzusingen. Wer das möchte.

Wer nicht, der hört sich bitte gerne den Herrn Spörk an.[i]


Warum ich das Thema überhaupt aufgreife?

Weil es in meinem beruflichen Umfeld leider ganz oft vorkommt, dass da wild herum-diagnostiziert wird – von allen möglichen Menschen: Mit tatsächlicher Fachexpertise, OHNE Fachexpertise, mit vermeintlicher Fachexpertise, mit selbst zuerkannter Fachexpertise, mit Expertise aber ohne Fach, oder aber mit Fachexpertise – nur leider aus dem falschen Fach.


Die Diagnosen reichen da von erheblichen Erziehungsmängeln, gravierenden Verhaltensauffälligkeiten, Intelligenzminderung, angeborenen Defiziten bis hin zu psychischen Krankheiten.


Stell dir folgende Situation vor…

… deine Tochter / dein Sohn hat gröbere Schwierigkeiten in der Schule (in einem Fach oder mit ein bisschen Glück gleich in mehreren). Ihr habt schon alles Mögliche ausprobiert: Mal funktioniert´s, mal nicht. Aber wenn´s drauf ankommt, geht’s jedenfalls sicherheitshalber in die Hose. Ihr (im Sinne von euch als Eltern aber auch euer Kind) seid schon ziemlich verzweifelt, weil alles, was ihr bisher versucht habt, nicht wirklich gefruchtet hat. In eurer Umgebung wird schon ganz viel gemunkelt (mit oder ohne vorgehaltener Hand), dass mit dem Kind etwas nicht stimmt: Das bleibt ja auch nie ruhig sitzen. Und beim Lernen lässt es sich immer so leicht ablenken. Es will eigentlich gar nicht lernen. Das Konzentrieren fällt ihm sowieso schwer. Außerdem ist es frech und redet immer zurück. Könnt schon sein, dass das Adähaaeß ist, oder wie das heißt. Vielleicht ist ja auch nur was mit den Augen. Wobei – das Kind kann einem gar nicht richtig in die Augen schauen. Schon mal aufgefallen? Vielleicht Autismus? Oder irgendwas war bei der Geburt. Zu wenig Sauerstoff. Oder zu viel. Oder so. Ist ja auch nicht gut. Sagt man. Und das Ärgste ist: Es mag weder Fußball, noch Ballett. Bewegt sich auch viel zu wenig. Sieht man eh an der Haut. Isst den ganzen Tag Schokolade. Is auch nicht gut für die Konzentration. Nüsse sind so wichtig! Ja, weil die schauen aus, wie unser Gehirn, deshalb sind die so gesund! Also bei uns hätt´s das nicht gegeben. Muss man halt ein bissal mehr üben! Ohne Disziplin wird das sowieso nix. Wobei – wundern tut´s mich nicht. Der Papa war ja auch schon so. Aber dass das niemanden auffällt?!


Was sagst da drauf?


Wenn ich schnell reagieren muss, kommt bei mir üblicherweise sowas wie:

„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhggggddddddddddhmmmmmmmmmmmharrrummmpfffff“


Wenn ich Zeit zum Nachdenken habe (und mich wieder fassen kann), bemühe ich mich um ein: „Das ist aber ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung.“


Ich bewundere die Leute, die sowas gar nicht hören. Bei denen sowas vollkommen abprallt. Die nach fünf Minuten nicht mal mehr wissen, was das Gegenüber gerade geko… gesprochen hat.


Die hören dann nur sowas wie bababdödö und es bleibt nichts vom Inhalt hängen. Meine Lieblings-5Achterl können im Übrigen ein wunderbares Lied davon singen zum Thema „Gespräche führen“. Absolut hörenswert, wie ich finde.[ii]


Aber bitte erst nach dem Blog. Wegen der Aufmerksamkeit wär´s. Für meinen Blog selbstverständlich.


Aber bei mir?? Da bleibt das hängen! Ich hör das! Ich denk da leider auch drüber nach. Und es macht mich WAHNSINNIG! Jedes Mal wieder.


Warum? Weil es mich wirklich ganz arg narrisch macht, (meine Wortgewandtheit – vom Feinsten, I know), wenn Leute nicht drüber nachdenken, was sie auslösen, wenn sie Diagnose-Logorröh bekommen und ganz frei von der Leber dich oder dein Kind analysieren und be- oder sogar für etwas ver-urteilen.


Denn, noch einmal zur Erinnerung für die Tante Hildas dieser Welt:

„Mit dem Begriff Diagnose (diagnosis, griech. = Erkenntnis, Urteil) ist das Feststellen und Benennen einer Erkrankung gemeint. Die Diagnose sollte unter anderem anhand der Vorgeschichte, der vorhandenen Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse gestellt werden.“[9]


Das riecht doch schon irgendwie ganz streng nach Gesundheitsberufen im physischen und auch psychischen Bereich.


ODER ETWA NICHT, TANTE HILDA???


Was ich nämlich NICHT riechen kann, sind Personen aus dem Privatbereich mit NICHT-gesundheitsberuflichem Hintergrund, vor allem aber:


§ Tanten

§ Onkels

§ Nachbarinnen und Nachbarn

§ Mama´s und Papa´s von Kindergarten- und Schulfreunden

§ Personen mit einem absoluten Mitteilungsbedürfnis, denen man beim Warten oder Anstellen nicht auskommt

§ alle anderen Verwandten - welchen Grades auch immer

§ Buchhändler, Frisöre, Kellner, der lokale Greißler – oder andere Personenkreise, mit denen ihr eure persönlichen Befindlichkeiten üblicherweise besprecht

§ Pädagogen (es sei denn: Sie haben eine entsprechende Zusatzqualifikation)

§ Auch bei Personen MIT gesundheitsberuflichen Hintergrund ist der gegebene gesundheitsberufliche Hintergrund MASSGEBEND! (als Beispiel: Ein Kinderarzt ist ein Kinderarzt und kein Ernährungswissenschaftler und auch kein Kinderpsychologe. Geht übrigens in alle Richtungen. Wollte ich an der Stelle so en passant einmal angemerkt haben. Gegenbeispiel: Wenn mein Auto nicht mehr fährt, gehe ich damit auch nicht zum IT Spezialisten).


Der Vollständigkeit halber, liebe Tante Hilda, möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass es sich hierbei um KEINE taxative Aufzählung aller möglichen sonstigen Lebewesen handelt, die in den oben genannten Personenkreis fallen könnten.


Nur, damit´s dann keine Ausreden gibt.



Ich frage mich schon die längste Zeit, warum wir eigentlich so gerne diagnostizieren. Auch ohne Fachexpertise. Auch ungefragt. Ist uns manchmal völlig wurscht. Also nicht die Diagnose. Die ist uns nicht wurscht. Neeeeeiiiin. Ganz im Gegenteil! Die wollen wir jedenfalls an den Mann bringen. Das muss dann raus.

Manche machen´s hinter vorgehaltener Hand, manche ganz direkt.

Manche packen´s gerne hübsch ein, andere finden Zeitungspapier völlig ausreichend.

Und wiederum andere lassen das Geschenkpapier sowieso immer aus – wäre ja unsinnige Verschwendung. Das sind dann die Filterlosen – quasi.


Das Gegenteil zu den Melitta´s dieser Welt: Die können nämlich oben Pulver einfüllen und unten Flüssigkeit rauslassen.

Magic.


Mhm, schwierige Frage, wie ich finde. Weil: Es gibt sie, die Hildas. Von Melitta noch nie was gehört. Die löffeln das Kaffeepulver und trinken das kalte Wasser hinterher, damit´s nicht so staubt. #nofilter


Ich wage mich mal über eine Diagnose zur Diagnose oder zur Diagnostik. Also ich versuche zu diagnostizieren, warum wir so gerne diagnostizieren:


Ich glaube nämlich, dass wir deswegen diagnostizieren, weil uns zum einen etwas auffällt. Etwas, das anders ist, als es aus unserer Sicht sein sollte. Und „anders“ ist, wie wir aus dem Change-Management wissen, immer k….ritisch.


Und um sicher zu gehen, dass da nix is (weil es könnt ja was sein), haben wir das dringende Bedürfnis, unser Gegenüber darauf aufmerksam zu machen, um sicher stellen zu können, dass auch sie oder er es bemerkt hat und potentiell die Möglichkeit hat, dagegen anzuwirken. Wir wollen ihr oder ihm also die Möglichkeit geben, etwas gegen das Andere zu tun, das Andere zu ändern.


Das heißt, im Grunde bieten wir in dieser Situation unserem Gegenüber Hilfe an. Vielleicht nicht ganz geschickt und besonders empathisch, aber – heruntergebrochen – bedeutet es in der Basis nichts anderes.


Mit DEM Hintergrund kann ich für meinen Teil nämlich auch die Tante Hildas besser leben lassen. Denn jetzt habe ich verstanden, dass das zugrundeliegende Animo die Hilfestellung ist. (Und nicht die pure Bosheit in teuflischer Gestalt).


Ich gehe noch einen Schritt weiter und wage zu behaupten, dass in den meisten von uns ab und zu auch mal eine kleine Hilda steckt. Ob wir das hübsch finden, oder nicht…

Deswegen möchte ich den kleinen Hildas (in uns) einen ungefragten Rat geben:


[Sollte von euch jemand gerad eben einen Hauch von „Merks´t das?!“ verspürt haben – in einem meiner anderen Blog-Beiträge (siehe dazu: Über Bullshit Bingo, Mighty Pups und Nicht-Paket-Tage) habe ich unter anderem das Konzept der Doppelmoral besprochen und auch angemerkt, dass mir die Begrifflichkeit durchaus bewusst und bekannt ist]


Liebe kleine Hilda,

Wenn dir etwas auffällt, dich etwas erschreckt, etwas beschäftigt oder berührt, dann sag es bitte. Es könnte nämlich tatsächlich sein, dass es deinem Gegenüber wirklich noch nicht aufgefallen ist, oder sie oder er es tatsächlich (noch) nicht gesehen oder wahrgenommen hat. Bitte sag es vor allem dann, wenn du das Gefühl hast, dass es ein essentielles oder kritisches Thema wäre.

Am Hilfreichsten wäre es, liebe Hilda, wenn du demjenigen das Gesehene dann ganz konkret beschreiben könntest, oder deine Wahrnehmung mitteilen, ohne gleichzeitig auch zu werten oder dem ganzen sogar eine Überschrift (aka Diagnose) zu geben.

Dann, liebe Hilda, kann ich das nehmen, einordnen, abwägen, mit meinen eigenen Beobachtungen abgleichen, gegebenenfalls Beobachtungen von anderen Leuten einholen oder meine Beobachtungen mit Fachexperten teilen. So, wie ich es für richtig halte. Und dafür, liebe Hilda, danke ich dir sehr. Denn vier Augen sehen nun mal mehr als zwei.


Diagnosen fällen nun mal nur die Fachexperten (in Gesundheitsberufen) in nur ihrem Fach. (In fremden Teichen fischen gehört sich im Übrigen auch nicht). Und die tun das in Wirklichkeit auch nur deswegen, um herauszufinden, was sie dagegen tun können.


Damit ist es im Grunde für „den Patienten“ völlig irrrelevant, wie das Ding heißt. Relevant ist ausschließlich, ob es etwas gibt und was es ist, dass ihm hilft.


Warum jetzt der ganze Sermon über die Diagnose?


Ganz einfach.

Weil ich in meinem Beruf viel zu oft erlebe, dass Eltern und / oder auch ihre Kinder selbst, super verunsichert oder sogar verzweifelt zu mir kommen, weil irgendwer gemeint hätte, dass ihr Kind irgendwas Spezielles haben muss, weil es so schlecht lernt. Manchmal fallen dann noch so Begriffe wie ADHS, ADS, Legasthenie, Dyskalkulie etc. etc. Und dann fangen die Betroffenen an, Informationen darüber einzuholen, und dann geht’s los mit der Nervenschmeisserei.


Ich sag euch jetzt was, liebe Kinder und liebe Eltern: Lasst euch bitte nicht verrückt machen!

Weder von den vermeintlichen Experten, noch von den tatsächlichen.


Ob das Ding überhaupt ein Ding ist, und wenn ja, wie das Ding heißt, ist nämlich in Wirklichkeit gar nicht so wichtig. Was hingegen wichtig ist, ist herauszufinden, welche Methoden und Techniken deinem Kind dabei helfen, sich das Leben beim Lernen zu erleichtern. Methoden, die deinem Kind leicht von der Hand gehen, weil es sie versteht, weil es sie mag. Die ihm dabei helfen, Dinge leichter aufzunehmen, zu verinnerlichen, abzuspeichern und wieder abzurufen. Die dein Kind wieder zur Ruhe kommen lassen können, den Stress nehmen, und – mit ein bisschen Geschick – deinem Kind sogar so viel Spaß machen, dass es wieder Lust bekommt, von sich selbst aus gerne zu lernen. Dass es wieder merkt, dass Lernen nicht nur anstrengend und schmerzvoll sein muss, sondern auch spannend, aufregend, spaßig und lustvoll sein kann.


Und dabei kann ich euch sehr gerne helfen. Das ist mein Fachgebiet. Ganz ohne Herumdoktorei.


Ich freue mich auf euch:


Alles Liebe,

eure Barbara


Und wer jetzt Lust hat, der kann sich gerne noch ein paar Ohrenschmäusen hingeben: Augen zu, zurücklehnen und ;-)


[i] Herr Christof Spörk ist beim Thema Logorrhö vermutlich die bessere Anlaufstelle. Er beobachtet die Häufigkeit des Auftretens dieses Phänomens vor allem in den Medien und der Politik. Geht aber genau so gut bei der Hilda. Finde ich. Christof Spörk, Logorrhö: https://www.youtube.com/watch?v=S9xEAzSHr3E



[1] https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/diagnose.html, Stand 13.12.2022 [2] https://flexikon.doccheck.com/de/Diagnostik, Stand 13.12.2022 [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Diagnose, Stand 13.12.2022 [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Diagnose, Stand 13.12.2022


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